{"id":1919,"date":"2015-05-09T11:50:19","date_gmt":"2015-05-09T09:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.derfaulepoet.de\/?page_id=1919"},"modified":"2015-05-09T11:54:43","modified_gmt":"2015-05-09T09:54:43","slug":"scharade-beispiele","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.derfaulepoet.de\/?page_id=1919","title":{"rendered":"SCHARADE | BEISPIELE"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus: Gerhard Gr\u00fcmmer \u201eSpielformen der Poesie&#8220;, Bibliographisches Institut Leipzig, 1985.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u201eAls Scharade (franz. charade) bezeichnet man ein Doppel- oder Dreifachr\u00e4tsel, bei dem das L\u00f6sungswort in sinnvolle Silben zerlegt wird, die getrennt verr\u00e4tselt werden. Ein bekanntes Beispiel bildet das Wort <em>Sau-er-kraut<\/em>, \u00fcber dessen Silben man schreiben kann:<\/p>\n<p>Die erste frisst,<\/p>\n<p>Die zweite isst,<\/p>\n<p>Die dritte wird gefressen,<\/p>\n<p>Das Ganze wird gegessen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Anonym blieb der Verfasser eines R\u00e4tsels, das von der Formulierung her elegant wirkt:<\/p>\n<p>Wenn ich je die Letzte m\u00f6chte,<\/p>\n<p>m\u00fcsste sie das Erste sein<\/p>\n<p>und das Ganze obendrein:<\/p>\n<p>Anders w\u00e4r es nicht die Rechte.<\/p>\n<p>Die Silben jung und Frau ergeben zusammen das L\u00f6sungswort <em>Jungfrau<\/em>.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Eine nette Scharade fand U. Bentzien (1980) in einer Handschrift<\/p>\n<p>aus der ersten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts:<\/p>\n<p>Mein Erstes ist nicht wenig,<\/p>\n<p>mein Zweites ist nicht schwer,<\/p>\n<p>mein Ganzes l\u00e4sst mich hoffen,<\/p>\n<p>doch traue nicht so sehr.<\/p>\n<p>Gesucht wird das W\u00f6rtchen <em>vielleicht<\/em>. Diese Beispiele lassen bereits erkennen, dass die meisten Scharaden zu den Silbenspielen gerechnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Manche R\u00e4tsel dieser Art waren lange Zeit in Prosa bekannt, ehe R\u00e4tselautoren daran gingen, sie in geh\u00f6rige Reime zu gie\u00dfen. Die folgenden Verse stammen vom R\u00e4tselautor Gustav Theodor Fechner(1801-1887):<\/p>\n<p>Im ersten Beten und Singen erklingt;<\/p>\n<p>das andere betet, das Ganze singt.<\/p>\n<p>Hier wird &#8211; in epigrammatischer K\u00fcrze &#8211; der <em>Dompfaff<\/em> gesucht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Philipp Buttmann (1764-1829), ein Freund F. D. E. Schleiermachers, lieferte eine Scharade, bei der ein Wort die Hauptrolle spielt, das einer anderen Sprache entnommen wurde. Es war seinerzeit im Deutschen weniger gel\u00e4ufig als heute, so dass die L\u00f6sung nicht so nahelag:<\/p>\n<p>Die erste Silb&#8216; ein Fr\u00e4ulein ist<\/p>\n<p>das Zweite herrscht zu jeder Frist<\/p>\n<p>das Ganze durch des Teufels List<\/p>\n<p>bei allen guten Dingen ist.<\/p>\n<p><em>Mi\u00df-brauch<\/em> hei\u00dft die L\u00f6sung. Auf den durchgehenden Einreim sei hier noch aufmerksam gemacht. Er leidet allerdings unter der Verwendung so blasser W\u00f6rter wie &#8222;ist&#8220; und auch das Reimwort &#8222;Frist&#8220; wirkt in diesem Zusammenhang weit hergeholt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Silbenspiele dieser Art wirken auch dann gek\u00fcnstelt, wenn die Trennung des L\u00f6sungswortes willk\u00fcrlich und nicht entsprechend seinen eigentlichen Bestandteilen erfolgt. Friedrich Haug (1761 bis 1829) schrieb zum Beispiel:<\/p>\n<p>Vers bin ich zur H\u00e4lfte, zur H\u00e4lfte nur Tand;<\/p>\n<p>err\u00e4tst du mein Ganzes, so hast du Verstand.<\/p>\n<p>Die Versuchung, <em>Vers<\/em> und <em>Tand<\/em> von der inhaltlichen Seite zu betrachten, kann den Befragten \u00fcber die naheliegende, in der zweiten Zeile gegebenen L\u00f6sung (Verstand) hinwegsehen lassen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Den Scharaden sind auch <em>Wortteilungsr\u00e4tsel<\/em> wie das folgende von Frierich Schleiermacher (1768-1834), das schon durch seine klassische K\u00fcrze bestechend wirkt:<\/p>\n<p>Getrennt mir heilig<\/p>\n<p>vereint abscheulich.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Aus: Gerhard Gr\u00fcmmer \u201eSpielformen der Poesie&#8220;, Bibliographisches Institut Leipzig, 1985. \u00a0 \u201eAls Scharade (franz. charade) bezeichnet man ein Doppel- oder Dreifachr\u00e4tsel, bei dem das L\u00f6sungswort in sinnvolle Silben zerlegt wird, die getrennt verr\u00e4tselt werden. 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